Wichtiger Hinweis
Die nachfolgenden Angaben sind technische Richtwerte zur Erstorientierung. Die tatsächlich erreichbaren Werte hängen beim Blasformen stark von Verfahren, Werkstoff, Wanddickenverteilung, Vorformling oder Parison, Werkzeugauslegung, Kühlung, Entformung, Schwindung und Prüfanforderungen ab.
1. Einordnung des Verfahrens
Blasformen ist das Standardverfahren für hohle Kunststoffbauteile. Es eignet sich besonders für Flaschen, Kanister, Tanks, Behälter, Luftkanäle, technische Reservoirs und andere Hohlkörper, bei denen geringes Gewicht, geschlossene Volumen und wirtschaftliche Serienfertigung gefragt sind.
Je nach Bauteilgeometrie und Stückzahl kommen Extrusionsblasformen, Spritzblasformen oder Streckblasformen infrage. Für technische Konstruktionsbauteile sind vor allem Extrusionsblasformen und in bestimmten Fällen Spritzblasformen relevant.
Besonders geeignet für
- Hohlkörper mit geschlossenem Volumen
- Flaschen, Kanister, Tanks und technische Behälter
- Luftführungen und medienführende Kunststoffteile
- leichte Bauteile mit guter Materialeffizienz
- mittlere bis hohe Serienmengen
Weniger geeignet für
- massive Vollkörper
- Bauteile ohne echten Hohlkörpercharakter
- sehr enge Präzisionsfunktionen über das gesamte Teil
- Geometrien mit vielen stark lokalen Funktionsmerkmalen, die besser im Spritzguss lösbar sind
2. Typische Werkstoffe
Die folgende Übersicht zeigt häufige Werkstoffe für blasgeformte Bauteile und typische Einsatzlogiken.
| Werkstoffgruppe | Typische Beispiele | Typische Vorteile | Konstruktive Hinweise |
|---|---|---|---|
| Polyethylen | HDPE, LDPE | sehr verbreitet, gute Chemikalienbeständigkeit, wirtschaftlich | Standard für Kanister, Behälter, Tanks und technische Hohlkörper |
| Polypropylen | PP | geringes Gewicht, gute chemische Beständigkeit, gute technische Einsetzbarkeit | interessant für technische Hohlkörper und funktionsintegrierte Behälter |
| PET | PET, rPET | gute Transparenz, gute Steifigkeit, typisch für Verpackungslösungen | vor allem im Streckblasformen relevant |
| Technische Mehrschichtsysteme | PE mit Barriereschichten, EVOH Coextrusion | bessere Barriereeigenschaften | für medienkritische Anwendungen und technische Tanks interessant |
| Sonderwerkstoffe | PA, PC oder modifizierte Compounds je nach Anwendung | spezielle mechanische oder thermische Eigenschaften | nur gezielt einsetzen, wenn Funktion und Kostenbild passen |
3. Typische Toleranzbereiche
Toleranz TabelleBlasformen ist stark von Wanddickenverteilung, Schwindung und Bauteilgeometrie beeinflusst. Kritische Funktionsmaße sollten gezielt bewertet werden, insbesondere an Anschlüssen, Dichtbereichen und Montageflächen.
| Merkmal | Typischer Richtwert | Hinweis |
|---|---|---|
| allgemeine Außenmaße | gut beherrschbar, aber gröber als präziser Spritzguss | stark abhängig von Verfahren und Bauteilgröße |
| Wanddicken | lokal schwankend je nach Umformung | Wanddickenverteilung ist konstruktiv zentral |
| Anschluss und Dichtbereiche | selektiv präziser ausführbar | kritische Zonen oft gesondert kalibrieren oder nachbearbeiten |
| Ebenheit und Form | bauteil und materialabhängig | große Flächen und asymmetrische Geometrien sind kritisch |
| Oberflächen | technisch sauber bis sichtbar ausführbar | Werkzeug, Nahtlage und Entformung beeinflussen das Resultat |
Wichtige Konstruktionsregel
Ein gutes blasgeformtes Bauteil entsteht aus einer prozessgerechten Hohlkörperlogik. Die Wanddickenverteilung und die Lage funktional kritischer Zonen müssen früh mitgedacht werden.
4. Designrichtlinien für Blasformen
Wanddickenverteilung früh berücksichtigen
Beim Blasformen ist nicht nur die Nennwandstärke wichtig, sondern vor allem ihre tatsächliche Verteilung im aufgeblasenen Zustand. Starke Geometrieänderungen können lokal zu zu dünnen Bereichen führen.
Große Radien und weiche Übergänge
Weiche Übergänge unterstützen eine stabilere Materialverteilung. Scharfe Kanten und abrupte Querschnittswechsel führen schneller zu lokalen Schwächungen.
Naht und Trennfuge mitdenken
Je nach Verfahren entstehen Quetschnähte oder sichtbare Trennfugen. Diese Bereiche sollten konstruktiv nicht gerade dort liegen, wo hohe mechanische oder dichtekritische Anforderungen bestehen.
Funktionszonen gezielt auslegen
Gewinde, Stutzen, Dichtsitze, Befestigungszonen und Anschlussbereiche sollten konstruktiv gezielt verstärkt oder prozessgerecht positioniert werden.
Symmetrie und Stabilität
Symmetrische Hohlkörper sind im Prozess meist robuster. Sehr asymmetrische Geometrien erhöhen das Risiko von Maßstreuung, Wanddickenunterschieden und Verzug.
Nachbearbeitung gezielt planen
Besäumen, Bohren, Stanzen, Kalibrieren oder Einbringen von Inserts sollten früh mitgedacht werden. Das Rohteil allein ist oft nicht die ganze technische Lösung.
5. Typische Konstruktionsfehler
- zu scharfe Übergänge im Hohlkörper
- kritische Funktionszonen in Bereichen mit ungünstiger Wanddickenverteilung
- unzureichende Berücksichtigung von Quetschnaht oder Trennfuge
- sehr asymmetrische Geometrien ohne prozessgerechte Kompensation
- zu enge Toleranzanforderungen auf das gesamte Rohteil
- Wanddicken nur nominell gedacht, nicht real im geblasenen Zustand
- fehlende Verstärkung an Anschluss und Dichtbereichen
- Werkstoffwahl ohne Berücksichtigung von Medium, Temperatur und Langzeitbelastung
6. Wirtschaftliche Auslegung
Blasformen ist besonders wirtschaftlich für Hohlkörper mit mittleren bis hohen Stückzahlen, wenn Gewicht, Materialeinsatz und funktionale Integration gut aufeinander abgestimmt sind. Für Bauteile ohne echten Hohlkörpercharakter sind andere Verfahren meist besser geeignet.
Wirtschaftlich günstig
- Hohlkörper mit konstantem Serienbedarf
- Behälter, Tanks und technische Luft oder Medienführungen
- leichtgewichtige Kunststoffbauteile
- prozessgerechte Anschluss und Funktionszonen
Kostentreiber
- zu komplexe Geometrien ohne blasgerechte Logik
- unzureichende Wanddickenverteilung
- viele nachträgliche Bearbeitungsschritte
- hohe Dicht oder Maßanforderungen an ungünstigen Zonen
- Sonderwerkstoffe oder Mehrschichtsysteme ohne klares Mengengerüst
Blasformteil prüfen lassen
Wenn Sie ein blasgeformtes Bauteil konstruktiv prüfen lassen möchten, unterstützen wir Sie gerne bei Werkstoffwahl, Wanddickenlogik, Funktionszonen und wirtschaftlicher Auslegung.
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