Wichtiger Hinweis
Die nachfolgenden Angaben sind technische Richtwerte zur Erstorientierung. Die tatsächlich erreichbaren Werte hängen beim Kokillenguss stark von Werkstoff, Bauteilgeometrie, Werkzeugkonzept, Speisung, Formfüllung, Erstarrung, Wärmebehandlung und Prüfanforderungen ab.
1. Einordnung des Verfahrens
Kokillenguss ist ein Gießverfahren mit metallischer Dauerform. Das Verfahren liegt technisch zwischen Sandguss und Druckguss und eignet sich besonders für Aluminiumgussteile mit höherem Qualitätsanspruch, besserer Reproduzierbarkeit und robusterer Struktur als beim klassischen Sandguss.
Es ist besonders interessant, wenn mittlere Serien, gute mechanische Eigenschaften und eine bessere Oberflächen und Maßqualität als beim Sandguss gefordert sind, ohne die Werkzeuglogik und Stückzahlabhängigkeit des Druckgusses vollständig zu übernehmen.
Besonders geeignet für
- mittlere Serienmengen
- technische Aluminiumgussteile
- Bauteile mit besseren Rohgusseigenschaften als Sandguss
- Gehäuse, Träger, Flanschteile, Fahrwerks und Strukturkomponenten
- Bauteile mit nachfolgender gezielter Bearbeitung
Weniger geeignet für
- sehr kleine Stückzahlen mit häufig wechselnder Geometrie
- extrem komplexe Innengeometrien mit hohem Kernaufwand
- sehr hohe Serien, bei denen Druckguss wirtschaftlich klar überlegen ist
- Bauteile mit flächendeckend extrem engen Toleranzen ohne Nacharbeit
2. Typische Werkstoffe mit exakten Werkstoffnummern
Die folgende Übersicht nennt typische Kokillenguss Werkstoffe mit konkreten Bezeichnungen und Materialnummern.
| Werkstoffgruppe | Exakte Bezeichnung | Werkstoffnummer | Typische Vorteile | Konstruktive Hinweise |
|---|---|---|---|---|
| Aluminium Kokillenguss | EN AC-42100 / EN AC-AlSi7Mg0,3 | EN AC-42100 | sehr verbreitet, gute Kombination aus Festigkeit, Gießbarkeit und Wärmebehandelbarkeit | bewährte Standardlegierung für viele technische Kokillengussteile |
| Aluminium Kokillenguss | EN AC-42200 / EN AC-AlSi7Mg0,6 | EN AC-42200 | höhere Mg Variante innerhalb der AlSi7Mg Gruppe | Legierungswahl mit Lieferant und Wärmebehandlung abstimmen |
| Aluminium Kokillenguss | EN AC-43000 / EN AC-AlSi10Mg(a) | EN AC-43000 | gute Gießbarkeit und gute technische Eigenschaften | für gut gießbare technische Bauteile interessant |
| Aluminium Kokillenguss | EN AC-44200 / EN AC-AlSi12 | EN AC-44200 | sehr gute Gießbarkeit | gut für komplexere Geometrien, mechanische Anforderungen gesondert prüfen |
| Aluminium Kokillenguss | EN AC-46000 / EN AC-AlCu4Ti | EN AC-46000 | höhere Festigkeitsorientierung | Wärmebehandlung und Einsatzprofil früh berücksichtigen |
| Magnesium Kokillenguss | anwendungsabhängige Mg Legierungen | je nach Legierung | sehr geringes Gewicht | für Leichtbau interessant, Korrosionsschutz und Werkstoffstrategie früh prüfen |
| Kupferbasislegierungen | anwendungsabhängig | je nach Legierung | spezifische tribologische oder thermische Eigenschaften | nur gezielt einsetzen, wenn Funktion und Kostenbild passen |
3. Typische Toleranzbereiche
Toleranz TabelleKokillenguss erreicht in der Regel bessere Maßhaltigkeit und Oberflächenqualität als Sandguss. Trotzdem müssen Funktionsmaße, Dichtflächen, Lagerstellen und präzise Anschlüsse gezielt bewertet werden.
| Merkmal | Typischer Richtwert | Hinweis |
|---|---|---|
| allgemeine lineare Maße | typisch besser als Sandguss, aber gröber als Druckguss | genaue Werte hängen von Werkzeug, Legierung und Bauteilgeometrie ab |
| Wandstärken | gleichmäßige Querschnitte bevorzugt | zu starke Wanddickensprünge erhöhen Schwindungs und Verzugrisiko |
| Bohrungen und Öffnungen | teilweise formnah darstellbar | präzise Sitze, Dichtflächen und Passungen meist nachbearbeiten |
| Ebenheit und Form | geometrieabhängig | große flache Flächen und asymmetrische Bereiche sind kritisch |
| Oberflächen | typisch feiner als Sandguss | optische und funktionskritische Flächen separat bewerten |
Wichtige Konstruktionsregel
Kokillenguss sollte möglichst rohteilgerecht und endkonturnah ausgelegt werden. Dort, wo hohe Präzision, Dichtheit oder definierte Passfunktionen erforderlich sind, sind gezielte Bearbeitungszugaben meist sinnvoller als unnötig enge Anforderungen an das komplette Rohgussteil.
4. Designrichtlinien für Kokillenguss
Gleichmäßige Wandstärken
Gleichmäßige Wandstärken verbessern Formfüllung, Erstarrung und Maßhaltigkeit. Zu starke Massesprünge erhöhen die Gefahr von Schwindung, Verzug und inneren Fehlern.
Radien und Übergänge
Weiche Übergänge und gießgerechte Radien sind sehr wichtig. Scharfe Kanten und abrupte Querschnittswechsel verschlechtern Metallfluss und Bauteilqualität.
Entformung und Werkzeuglogik
Auch beim Kokillenguss beeinflussen Formtrennung, Werkzeugaufbau und Entformbarkeit die Bauteilqualität. Konstruktionen sollten deshalb immer im Zusammenhang mit der späteren Werkzeuglogik gedacht werden.
Bearbeitungszugaben
Dichtflächen, Lagerstellen, Passsitze, Flanschbilder und präzise Anschlussmaße sollten konstruktiv als bearbeitete Flächen gedacht werden. Das erhöht Prozesssicherheit und technische Reproduzierbarkeit.
Masseverteilung und Erstarrung
Lokale Materialanhäufungen sind kritisch. Das Bauteil sollte möglichst ausgewogen konstruiert werden, damit Erstarrung und Speisung kontrollierbar bleiben.
Kerne und Innengeometrien
Innenkonturen sind möglich, verursachen aber zusätzlichen Aufwand. Innengeometrien sollten funktional sinnvoll sein und nicht unnötig komplex ausgelegt werden.
5. Typische Konstruktionsfehler
- zu starke Wandstärkensprünge innerhalb eines Bauteils
- scharfe Übergänge statt gießgerechter Radien
- fehlende Bearbeitungszugaben auf kritischen Funktionsflächen
- zu große Erwartungen an Rohgusspräzision ohne Nacharbeit
- ungünstige Masseverteilung mit kritischen Hot Spots
- unnötig enge Toleranzen auf allen Merkmalen
- Innengeometrien mit hohem Aufwand ohne klare Funktion
- Konstruktionen ohne Rücksicht auf Formteilung und Werkzeugkonzept
6. Wirtschaftliche Auslegung
Kokillenguss ist besonders wirtschaftlich, wenn mittlere Serien, bessere Oberflächenqualität als beim Sandguss und gute mechanische Eigenschaften gefordert sind. Für sehr kleine Mengen ist Sandguss oft günstiger, für sehr hohe Serien kann Druckguss wirtschaftlich überlegen sein.
Wirtschaftlich günstig
- mittlere Serienmengen
- technische Aluminiumbauteile mit höherem Qualitätsanspruch
- endkonturnahe Geometrien mit gezielter Nachbearbeitung
- Bauteile mit besserer Rohgussqualität als Sandguss
Kostentreiber
- zu geringe Stückzahlen im Verhältnis zum Werkzeugaufwand
- hoher Kern und Formaufwand
- unnötig enge Präzisionsanforderungen am Rohgussteil
- ungünstige Masseverteilung und schwierige Speisung
- hoher Nachbearbeitungsbedarf
Kokillengussteil prüfen lassen
Wenn Sie ein Kokillengussbauteil konstruktiv prüfen lassen möchten, unterstützen wir Sie gerne bei Werkstoffwahl, Gießgerechtigkeit, Bearbeitungszugaben und wirtschaftlicher Auslegung.
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