Wichtiger Hinweis
Die nachfolgenden Angaben sind technische Richtwerte zur Erstorientierung. Die tatsächlich erreichbaren Werte hängen beim Sandguss stark von Werkstoff, Formstoff, Kernkonzept, Gießsystem, Speisung, Wandstärke, Schwindung, Wärmebehandlung und Prüfanforderungen ab.
1. Einordnung des Verfahrens
Sandguss ist ein sehr flexibles Gießverfahren für große bis mittlere Bauteile sowie für kleine bis mittlere Stückzahlen. Das Verfahren eignet sich besonders dann, wenn hohe geometrische Freiheit, robuste Bauteile, große Abmessungen oder ein wirtschaftlicher Werkzeugeinstieg gefragt sind.
Im Vergleich zu Feinguss oder Druckguss ist Sandguss gröber, dafür aber oft wirtschaftlicher bei größeren Teilen, schwereren Querschnitten und niedrigeren Mengen.
Besonders geeignet für
- große und schwere Bauteile
- kleine bis mittlere Serien
- Gehäuse, Maschinenbetten, Pumpengehäuse, Ventilkörper, Träger
- Werkstoffe mit guter Gießbarkeit
- Bauteile mit Kernen, Hohlräumen und robusten Querschnitten
Weniger geeignet für
- sehr feine filigrane Kleinbauteile mit hohen optischen Anforderungen
- sehr hohe Serien mit hohem Automatisierungsgrad, wo Druckguss sinnvoller ist
- Bauteile mit generell sehr engen Toleranzen ohne Nachbearbeitung
- extrem dünnwandige Geometrien mit sehr feinen Details
2. Typische Werkstoffe mit exakten Werkstoffnummern
Die folgende Übersicht nennt typische Sandguss Werkstoffe mit konkreten Bezeichnungen und Materialnummern.
| Werkstoffgruppe | Exakte Bezeichnung | Werkstoffnummer | Typische Vorteile | Konstruktive Hinweise |
|---|---|---|---|---|
| Grauguss | EN-GJL-200 | 5.1300 | gute Dämpfung, gute Zerspanbarkeit, wirtschaftlich | typisch für Gehäuse, Betten, Deckel und allgemeine Maschinenteile |
| Grauguss | EN-GJL-250 | 5.1301 | höhere Festigkeit als EN-GJL-200, gute Gießbarkeit | sehr verbreitet für Maschinenbau und Gehäuseteile |
| Sphäroguss | EN-GJS-400-15 | 5.3106 | gute Duktilität und Zähigkeit | geeignet für funktionskritischere Bauteile mit Zähigkeitsbedarf |
| Sphäroguss | EN-GJS-500-7 | 5.3200 | gutes Verhältnis aus Festigkeit und Duktilität | oft eingesetzt für technische Struktur und Maschinenteile |
| Sphäroguss | EN-GJS-600-3 | 5.3201 | höhere Festigkeit | für stärker belastete Gussteile, Auslegung auf Kerbempfindlichkeit prüfen |
| Aluminium Sandguss | EN AC-42000 / EN AC-AlSi7Mg | EN AC-42000 | gute Gießbarkeit und gute allgemeine Eigenschaften | bewährte Al Sandgusslegierung für allgemeine technische Teile |
| Aluminium Sandguss | EN AC-42100 / EN AC-AlSi7Mg0,3 | EN AC-42100 | sehr verbreitet, gute Kombination aus Gießbarkeit und mechanischen Werten | oft interessant, wenn Wärmebehandlung und mechanische Performance wichtig sind |
| Aluminium Sandguss | EN AC-42200 / EN AC-AlSi7Mg0,6 | EN AC-42200 | höher legierte Variante innerhalb der AlSi7Mg Gruppe | Legierungswahl mit Lieferant und Wärmebehandlung abstimmen |
| Gussstahl | GP240GH | 1.0619 | typischer unlegierter Gussstahl für belastbare Teile | Bearbeitungszugaben und Wärmebehandlung früh berücksichtigen |
| Gussstahl | G20Mn5 | 1.6220 | zäher Stahlguss für technische Anwendungen | für tragende oder zähigkeitsrelevante Teile interessant |
| Guss Edelstahl | GX5CrNi19-10 | 1.4308 | korrosionsbeständiger austenitischer Edelstahlguss | typisch für Armaturen, allgemeine korrosive Umgebungen und technische Gehäuse |
| Guss Edelstahl | GX5CrNiMo19-11-2 | 1.4408 | bessere Korrosionsbeständigkeit durch Mo Zusatz | interessant für chemische, maritime und medienführende Anwendungen |
3. Typische Toleranzbereiche
Toleranz TabelleSandguss ist kein Feinpräzisionsverfahren. Kritische Maße, Dichtflächen, Lagerstellen oder präzise Anschlüsse müssen meist gezielt nachbearbeitet werden.
| Merkmal | Typischer Richtwert | Hinweis |
|---|---|---|
| allgemeine lineare Maße | gröber als bei Feinguss oder Druckguss | stark abhängig von Bauteilgröße, Werkstoff und Formkonzept |
| Wandstärken | robuste Querschnitte bevorzugt | sehr dünne Bereiche erhöhen Füll und Verzugrisiko |
| Bohrungen und Öffnungen | mit Kernen und Formelementen darstellbar | präzise Sitze und Passungen meist nachbearbeiten |
| Ebenheit und Form | geometrieabhängig | große flache Flächen und asymmetrische Massenverteilung sind kritisch |
| Oberflächen | typisch rauer als Feinguss oder Druckguss | für optische Flächen oder Dichtflächen zusätzliche Bearbeitung vorsehen |
Wichtige Konstruktionsregel
Sandguss sollte funktionsgerecht und nicht übergenau spezifiziert werden. Kritische Maße und Flächen müssen gezielt definiert werden, der Rest sollte prozessgerecht ausgelegt sein.
4. Designrichtlinien für Sandguss
Gleichmäßige Wandstärken
Gleichmäßige Wandstärken verbessern Formfüllung und Erstarrung. Zu starke Wandstärkensprünge erhöhen das Risiko für Lunker, Verzug und Maßstreuung.
Radien und Übergänge
Sandgussgerechte Radien sind sehr wichtig. Abrupte Querschnittswechsel und scharfe Kanten sind ungünstig für Gießbarkeit und Bauteilqualität.
Kerne und Hohlräume
Kerne erlauben komplexe Innengeometrien, verursachen aber zusätzlichen Aufwand und Toleranzrisiko. Innenkonturen sollten funktional sinnvoll, aber nicht unnötig kompliziert gestaltet werden.
Bearbeitungszugaben
Funktionsflächen, Dichtflächen, Flanschbilder, Lagerstellen und Passsitze sollten konstruktiv als bearbeitete Flächen gedacht werden. Dadurch steigt die Prozesssicherheit deutlich.
Speisung und Erstarrung
Die Bauteilgeometrie beeinflusst direkt, ob Speiser und Gießsystem sauber funktionieren. Massive Hot Spots sollten vermieden oder konstruktiv entschärft werden.
Trennebene
Schon in der frühen Konstruktion sollte an die Trennebene gedacht werden. Eine günstige Teilung reduziert Formaufwand, Kernbedarf und Nacharbeit.
5. Typische Konstruktionsfehler
- zu starke Massesprünge innerhalb eines Bauteils
- zu dünne Wandbereiche für einen robusten Sandgussprozess
- scharfe Übergänge statt gießgerechter Radien
- fehlende Bearbeitungszugaben auf kritischen Funktionsflächen
- unnötig enge Toleranzen auf nicht funktionskritischen Merkmalen
- Innengeometrien mit zu hohem Kernaufwand ohne funktionale Notwendigkeit
- große plane Flächen ohne konstruktive Versteifung
- Werkstoffwahl ohne Berücksichtigung von Gießbarkeit, Zerspanbarkeit und Einsatzumgebung
6. Wirtschaftliche Auslegung
Sandguss ist besonders wirtschaftlich bei größeren Bauteilen, kleineren Serien und dort, wo geometrische Freiheit wichtiger ist als höchste Präzision im Rohzustand. Für sehr große Serien oder sehr feine Geometrien können andere Verfahren besser geeignet sein.
Wirtschaftlich günstig
- große bis mittlere Bauteile
- kleine bis mittlere Losgrößen
- robuste Geometrien mit Kernen und Hohlräumen
- gezielte Nachbearbeitung nur auf Funktionsflächen
Kostentreiber
- unnötig hohe Präzisionsanforderungen am Rohgussteil
- aufwendige Kernpakete
- ungünstige Masseschwerpunkte und Speiserprobleme
- sehr hohe Nachbearbeitungsanteile
- Werkstoffe oder Geometrien mit erhöhtem Ausschussrisiko
Sandgussteil prüfen lassen
Wenn Sie ein Sandgussbauteil konstruktiv prüfen lassen möchten, unterstützen wir Sie gerne bei Werkstoffwahl, Gießgerechtigkeit, Bearbeitungszugaben und wirtschaftlicher Auslegung.
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